2026-02-05: Tauchtour Kleiner Schritt
Termin
05.-08.02.2026
Ziel:
Grünkogelbiwak - Tauchgang im Kleinen Schritt
Teilnehmer
Stefan Gaar, Rafael Wagner, Wetti Wielander
Treffpunkt
05.02.2026, 9:00, Simonydenkmal, Hallstatt
Ablauf
05.02.: Anmarsch bis Grünkogelbiwak
06.02: Tauchgang im Kleinen Schritt
07.02.: Besichtigung Sahara und evtl. Orgelhalle
08.02: Ausstieg
Bericht
Wir erinnern uns zurück ans Allerheiligenwochenende 2021, als Axel, Tobi und ich vom Grünkogelbiwak nur einen kleinen Schritt zur Seite machten, und plötzlich, gut 100 Höhenmeter tiefer, an einem wunderschönen, glasklaren Siphon standen. Ein Jahr später erfolgte dann der erste Tauchversuch, welcher aufgrund von zu wenig Leine (wer hätte auch ahnen können, dass der Siphon so lang sein werde…) abgebrochen werden musste, ohne dass die beiden Taucher*innen, Rafael und Wetti, das Ende der Tauchstrecke erreicht hatten. Weitere Tauchgänge 2023-2024 brachten schönen Ganglängenzuwachs, aber auch ein paar Probleme – von Jahr zu Jahr weniger Wasser, was die Schlepperei der schweren Tauchflaschen von Siphon zu Siphon zusehends beschwerlicher machte, ein kaputter Trocki sowie eigenartige Unpässlichkeiten in den trockenen Teilen des „Südsees“, welche auf Probleme mit der Umgebungsluft hindeuteten. Zwei Jahre nach dem letzten Tauchgang hier im entlegenen, wilden Westen der Hirlatzhöhle wurde ein erneuter Versuch gestartet, den Kleinen Schritt endgültig zu bezwingen. Drei Taucher*innen (Stefan, Rafael und Wetti) und 12 Helfer*innen, das war das Team, das am 5.2. Richtung Grünkogelbiwak aufbrach. 15 Personen ohne nennenswerte Probleme so weit in die Höhle hinein und im Biwak unterzubringen, war eine gewisse logistische Herausforderung, aber am Donnerstagabend waren schließlich alle wohlbehalten angekommen. Genug Platz zum Liegen war vorhanden (nachdem ein paar weitere Plätze im weichen, trockenen Höhlenlehm eingeebnet worden waren), Schnaps ebenso (bester Dank ans ungarische Team!), allein das Trinkwasser war etwas knapp – wir hatten jetzt zum ersten Mal die Situation, dass mehr Tauch- als Trinkflaschen im Biwak vorhanden waren, und die nächste Wasserstelle war, bedingt durch den trockenen, schneearmen Winter, auch ein ordentliches Stück weit vom Camp entfernt. Freitagmorgen: Die Tauchsachen für drei Personen werden in die Schleifsäcke verpackt, wenn nur das Blei nicht so schwer wäre. Wenn jemand eine weniger schwergewichtige Möglichkeit (er)findet, Taucher samt Ausrüstung im Wasser zu versenken, werde ich den- oder diejenige persönlich für den Nobelpreis vorschlagen. Der Schachtabstieg hinunter zum Siphon füllt sich allmählich mit motivierten, ausgeschlafenen und weniger ausgeschlafenen Helfer- und Taucher*innen. Kurze Unstimmigkeiten, wie viel Seil wo verbaut werden sollte, kurzer Frust, als bemerkt wurde, dass die Tauchschuhe im Camp vergessen worden waren. So war es dann auch schon fast wieder Mittag, als die drei Unterwasserspeläolog*innen abtauchbereit waren. Stefan Leine legend voran, Wetti hinterher, und als dritter Rafael mit seinem Kreislauftauchgerät. Stefan vermeldet nach dem ersten Siphon Dichtheitsprobleme mit seinem doch nicht ganz so trockenen Trockentauchanzug sowie (leichte) Funktionsprobleme mit einem Atemregler und beschließt, mit der nicht ganz so zuverlässigen Ausrüstung diesmal nicht weiter zu tauchen. Bevor es für ihn wieder zurück geht, hilft er Wetti und Rafael dabei, die Ausrüstung zum „Keine-Leine-Siphon“ zu transportieren. Der davor gelegene „Braune Siphon“ ist komplett offen (der brunnenschachtartige Abstieg in den Siphon noch ein kleines Stück tiefer und mühsamer als letztes Mal) und Stefan nützt den niedrigen Wasserstand, zwei nun trockene Seitengänge zu erkunden. Am Rückweg durch den ersten Siphon nimmt sich Stefan noch genügend Zeit, Unmengen an alten Tauchleinenrestln einzusammeln und so bringt er, als er wieder bei der Abtauchstelle ankommt, ein schönes, handballgroßes Leinenknäuel mit. Für Wetti und Rafael geht’s unter Wasser weiter Richtung Forschungsendpunkt. Keine-Leine-Siphon, kurz und unspektakulär, ein Fragezeichen unter Wasser erkundet, etwas eng und nicht weiter interessant. Dann der Fenstersiphon, bequem zu betauchen, etwas bräunlich und trüb. Auftauchen im Südsee. Wettis Tauchcomputer fängt rot zu blinken an – geringer O2-Partialdruck aufgrund geringem Luftdruck. Der Computer zeit einen Umgebungsdruck von 648 mbar, was in etwa dem Luftdruck auf 3500 m Seehöhe entspricht bzw. einem Sauerstoffpartialdruck von knapp 0,14 bar (was halt leider nicht viel ist…). Um die Werte zu verifizieren, wird das mitgeführte Gasmessgerät ausgepackt – das Wunderwerk der Technik sollte O2-Gehalt (in Prozent), CO, CO2, H2S sowie explosive Gase anzeigen. Messungen im Biwak, bei der Abtauchstelle und hinterm ersten Siphon lieferten wie erwartet unauffällige Werte (bis auf leicht erhöhte CO2-Werte direkt bei der Abtauchstelle – was bei 15 schnaufenden Höhlenforschern in einem kleinen Kämmerchen auch zu erwarten war), die Messung hier im Südsee – auch unauffällig. Das Gerät zeigt brav 21 % O2 und praktisch kein CO2. Was schließen wir daraus: Der Sensor ist für Messungen bei „üblichen“ Druckverhältnissen gedacht und dafür sicher ein gutes, brauchbares Gerät – aber offenbar nicht für diesen speziellen Anwendungsfall gebaut. Ich merke, wie ich nach wenigen Schritten außer Atem bin – atmen aus der Druckluftflasche bringt mich auch nicht weiter – der Atemregler gibt mir brav (gute, saubere) Luft mit Umgebungsdruck, nur der ist hier halt leider sehr niedrig. Rafael beschließt, alleine weiter zu gehen – sein Kreislauftauchgerät ist immerhin in der Lage, ihn bei Bedarf mit reinem Sauerstoff zu versorgen. Der Siphon hinterm Südsee (der alte Forschungsendpunkt) hat sich rund 30 m weit in die Höhle zurückgezogen und ist nach etwa 40 Metern auch schon wieder zu Ende. Es folgt eine 180 m lange, steil nach oben führende trockene Gangpassage mit dunklem Lehmüberzug, dann eine kurze Horizontalpassage, dann ein Abstieg – zu einem weitern Siphon (dem „Schicht-im Schacht-Siphon“). Insgesamt 320 m Neuland. Die Luft ist hier allerdings noch deutlich schlechter als im Südsee – ob es jetzt wirklich „nur“ der niedere Luftdruck ist, oder auch andere Phänomene (CO2…) eine Rolle spielen, konnte nicht restlos geklärt werden. Etwa 8 Stunden nach dem Abtauchen konnte auch Rafael schließlich sicher die Abtauchstelle wieder erreichen. Wieder im Biwak wird im Taucherteam einstimmig beschlossen: Im Kleinen Schritt wird nicht mehr getaucht – zu groß ist das Risiko, bei derart schlechten (und unklaren) Luftverhältnissen weitere Tauchvorstöße zu wagen. Die Tauchflaschen wurden jedoch nicht umsonst in den Grünkogel getragen – es gibt ja noch den Megalodontencanyon, wo auch noch ein schöner, neulandträchtiger Siphon auf motivierte Höhlentaucher*innen wartet.
Mit dabei: Tobias Fellinger, Fanni Aliz Florian, Stefan Gaar, Andi Kohl, Feri Kovacs, Zsolt Nemeth, Jan Rezak, Lajos Sass, Pirmin Schefers, Thomas Schweigler, Josef Schützenhofer, Rafael Wagner, Wetti Wielander, Anika, Bianca
Vermessen: 320 m